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 Chronologieschnipsel

Schnipsel entstehen aus einem Zeitvertreib und so verfingen sich die folgenden Zitate en passant im Fischernetz der Aufmerksamkeit. Hier finden sich neben Äußerungen, die Probleme der Chronologie klar umreißen, auch solche, die aus einer scheinbar sicheren Position heraus gemacht wurden und erst bei näherem Hinschauen Forschungsprobleme und Unklarheiten in chronologischer Hinsicht offenbaren. Aber lesen Sie selbst:

  • “Wer halbwegs historisch denkt, der weiß doch, dass die Menschen alles, was sie machen können, immer auch gemacht haben”. Zu dieser Feststellung kommt Ulrich Greiner in seinem Artikel “Lieber nicht. Die Biotechnik kommt. Müssen wir weitermachen?” [Die Zeit Nr. 35, 24.9.2000, p.33], nachdem er zuvor die Frage "Soll man, darf man klonen, brauchen wir neue Gesetze?" in den Raum gestellt hatte. Bislang galt die Befähigung zu historischem Denken als wesentliche Chance des Menschen, sein Handeln differenziert zu planen. Nun soll diesem Denken nur noch übrig bleiben, die Tatsache determinierten Handelns aller festzustellen?
  • In den USA wurde ein Schädel (“Kennewick-Man”) gefunden, der mit einem Alter von mehr als 9.000 Jahren zugleich signifikante Ähnlichkeiten mit dem “prae-modernen” Europäer aufweisen würde. Dadurch gerät aber die bisherige Standard-Theorie einer exklusiven Besiedlung Amerikas über die Behringstraße ins Wanken. Ihr zufolge kamen sibirische Jäger - Träger der sog. “Clovis-Kultur” - erst vor rund 11.000 trockenen Fusses als die ersten Menschen in die Neue Welt. Das war möglich geworden durch die weltweite Absenkung des Meeresspiegels infolge der jüngsten Eiszeit. Innerhalb von wenigen Jahrhunderten hätten die Siedler dann den südlichsten Zipfel des Doppelkontinents erreicht gehabt. “Lange passte die Irrlehre allen in den Geschichtskram”, weshalb sie auch jahrzehntelang in “allen Lehrbüchern gepredigt” worden sei. “Funde, die älter waren als die Clovis-Utensilien, galten als Fehldeutungen. Man kannte die Antworten, also erübrigten sich weitere Fragen. Wer sie dennoch stellte, erinnert sich Rübert Bonnichsen, Archäoöogieprofessor an der Oregon State University in Corvallis, `riskierte den bruflichen Selbstmord´.” Mit solchen Worten beschreibt Urs Willmann den von ihm vorhergesehenen Untergang eines Paradigmas amerikanischer Geschichte [Die Zeit Nr. 33, 10.8.2000, p.27]. Was gestern noch als “State of the Art”beschrieben und gehuldigt wurde, wird schlagartig zur Charakterisierung als “Irrlehre” freigegeben. Haben sich noch weitere Heilige Kühe kurzfristig an der Schlachtbank angestellt?
  • Im "Spiegel" Nr. 27/1999 wurde ein Interview mit dem "Dino-Forscher" Paul Sereno abgedruckt. Eine der Fragen zum Ablauf der von Sereno durchgeführten Expeditionen lautete: "Liegen die Saurier herum wie ausgebleichte Rinderknochen?" Serenos Antwort: "Genau, sie liegen herum. Im optimalen Fall ragen nur ganz kleine Knochen aus dem Geröll. Dann ist der Rest des Skeletts begraben und daher gut erhalten." Es muß eine merkwürdige Laune der Natur sein, den Bedeckungsgrad vieler (fossilierter) Dinosaurierskelette so auszuprägen, daß sie nach 64 Millionen Jahren den Forschern gut erhalten im direkten Zugriff sind.
  • In einem Interview zu den "ungelösten Rätseln des Mittelalters" (Der Tagesspiegel vom 29.6.99) nahm Michael Borgolte von der Humboldt Universität Berlin Stellung zur Kritik der mittelalterlichen Chronologie. Er meinte dort, daß um "(Heribert) Illig mittlerweile eine pseudoreligiöse Gemeinde entstanden (sei), die langsam Sektencharakter annimmt." Dann fügte er an, daß Illig "gar nicht mehr von seinen merkwürdigen Thesen zurücktreten (könne) und weiter für Nachschub sorgen (müsse), um seine Gemeinde nicht zu enttäuschen. Das hat mit Gedankenfreiheit nichts mehr zu tun." Merkwürdige Worte von einem Ort, wo mit Stolz auf die Verteidigung der Gedankenfreiheit verwiesen wird, etwa durch die Berufung der Gebrüder Grimm. Diese hatten sich durch ihre Unterschrift unter das Manifest der "Göttinger Sieben", in dem öffentlich gegen die Aufhebung eines liberalen Staatsgrundgesetzes protestiert worden war, ebendieser Gedankenfreiheit bedient und sich dadurch bei ihrem hessischen Dienstherrn sehr unbeliebt gemacht.
  • Julius Poulett Scrope (1797 - 1876) untersuchte das französische Zentralmassiv und soll angesichts der Fülle geologischer Überreste gesagt haben: "Der wichtigste Gedanke in unserer gesamten Forschungsarbeit, der jede neue Beobachtung begleitet, und der Ruf, der dem Naturforscher fortwährend von überallher aus der Natur entgegenschallt ist: Zeit - Zeit - Zeit!" [nach S. Toulmin und J. Goodfield (1985): "Entdeckung der Zeit"; Fischer Taschenbuch 7360, Seite 199]
  • Berühmt ist Charles Darwins Warnruf an die Leser von Charles Lyells “Principles of Geology (1830), die dessen Buch nur getrost wieder zuschlagen sollten, wenn sie nicht ohne weiteres zugeben würden, daß die verflossenen Zeiträume ungeheuer lang waren [C. Darwin (1985): Die Entstehung der Arten; Stuttgart/Reclam, Seite 432]. Darwin war sich bewußt, daß nur Zeit und immer wieder Zeit den von ihm vermuteten Prozeß schrittweiser Veränderung der Arten über das Maß hundertprozentiger Unwahrscheinlichkeit anheben konnte.
  • Der Paläontologe David M. Raup berichtet in seinem Buch Der schwarze Stern - Wie die Saurier ausstarben. Der Streit um die Nemesis-Hypothese (Rowohlt Verlag 1990, englische Erstausgabe ca. 1986) von einer Episode aus den Fünfziger Jahren, in der die Erde von Geologen für älter gehalten wurde, als der Kosmos von Astrophysikern: Eine kurze Zeit lang schätzte man das Alter des Universums in der Astrophysik auf etwa drei Milliarden Jahre, und etwas geringer wurde damals in der Geologie das Alter der Erde eingeschätzt. Und das war soweit für jedermann völlig in Ordnung, denn es war ja klar, daß die Erde jünger als das Universum im ganzen sein muß. Doch dann fanden Geochemiker irgendwelche Methoden zur Bestimmung des Erdalters und kamen damit auf die derzeit gültige Zahl von viereinhalb Milliarden Jahren. Die Astrophysik hat sich nach diesem überraschenden Schlag eilends wieder aufgerappelt: Binnen kurzem wurde das Alter des Universums auf 17-20 Milliarden Jahre beziffert - und das ist ein Polster, auf dem sichs fürs erste bequem ausruhen läßt [Seite 161]. Raup veräppelt hier offensichtlich die Astrophysiker ein bißchen. Doch er unterläßt die Fragestellung, ob die Geologen nicht ihrerseits das Alter der Erde aus einer ähnlichen Zwangslage heraus ins Unermeßliche getrieben haben könnten!
  • Der Ratschlag eines Bekannten an den späteren Begründer der Quantentheorie Max Planck, er möge sich einem anderem Studium als dem der Physik widmen, denn hier sei das Gebäude des Wissens fast komplett errichtet worden, ist oftmals mahnend kolportiert worden. Der kluge Stephen Jay Gould wagt sich trotz dieses abschreckenden Beispiels - denn Planck schlug diese Mahnung in den Wind und entwarf später einen völlig neuen Bauplan für das Gebäude der Physik- zu folgender Behauptung vor: Nach dem die Geologie diesen großen Umschwung" - nämlich die Entdeckung, daß Zeit nicht nach Jahrtausenden sondern Jahrmilliarden zu messen sei - "erlebt hatte, konnte es kein ähnlich umfangreiches neues Gedankengebäude mehr geben [S.J. Gould (1998): Times New Roman¥Illusion Fortschritt; Frankfurt a.M./S.Fischer, Seite 276]. Dabei zeigt Gould in demselben Buch, daß es keine Darwinsche Entwicklungsleiter gibt - die es ist, die den ungeheuren Bedarf an Zeit entwickelt -, sondern nur einen rechten Schwanz der Kompexität, der entstehen muß, weil der Natur gar nichts anderes übrig bleibt und über dessen Zeitbedarf noch keinerlei Überlegungen angestellt worden sind. Oder meint er, daß es ein "ähnlich umfangreiches neues Gedankengebäude" nicht mehr geben werde, weil von einer neuen Naturgeschichte nicht mehr so viel Zeit und damit nicht mehr soviel Historie in Anspruch genommen werden wird?
  • Als "Rätselhafte Kalenderlücke" bezeichnen die Autoren der "Chronik der Erde" [erschienen im Chronik-Verlag innerhalb des Bertelsmann-Lexikon Verlags, Gütersloh, Ausgabe von 1996, Seite 51] die stratigraphische Lücke zwischen den typisch stark gefalteten Schichten des Archaikums (4.000 - 2.500 Millionen Jahre) und den nahezu konkordant (also in chronologiekonformer Abfolge) darüberliegenden Schichten des Unterkambriums (590 - 545 Millionen Jahre): "Erstaunlicherweise besteht diese Lücke nicht lokal begrenzt auf der Erde, sie tritt fast überall auf." Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit sei diese "schmerzliche Lücke" durch Erosion entstanden, denn es gebe keine plausible Erklärung dafür, daß sich in einer 1.5 Milliarden Jahre (die Autoren schreiben allerdings nur: "mehrere Jahrmillionen") umfassenden erdgeschichtlichen Periode keine Gesteine gebildet haben sollten. Schmerzlich ist die Lücke deswegen, weil in ihr die Vorboten der sogenannten kambrischen Explosion der Artenvielfalt vermutet werden. Wir merken an, daß diese Lücke unmittelbar aus der Absolutdatierung des Archaikums erwächst und die Frage nach der Tragfähigkeit dieser Datierung in Erwägung gezogen werden muß.
  • Der Neurobiologe William H. Calvin hat ein sehr schönes (wenngleich den Paradigmen der modernen Evolutionstheorie verpflichtetes) Buch über die Entwicklung des Menschen geschrieben, dem er den Titel gegeben hat: "Der Strom, der bergauf fließt. Eine Reise durch die Evolution" [dtv Taschenbuch 36077, 4. Aufl. 1998]. Er beschreibt eine Bootsfahrt auf dem Colorado River und nutzt die Stationen der vierzehntägigen Reise, um zahlreiche Facetten der Menschheitsgeschichte zu beleuchten. Am zehnten Tag, im Overhang Camp, diskutiert er den Einfluß von Eiszeiten auf die Entwicklung der Hominiden, soweit es das Feuermachen betrifft: "Seit wann der Mensch das Feuer beherrscht, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Aus Ostafrika wurden Funde gemeldet, bei denen Steine, die zu einer Art Feuerstelle angeordnet zu sein scheinen, durch Feuer geschwärzt sind. Es ist allerdings nicht völlig auszuschließen, daß ein Steppenbrand oder eine andere zufällige Ursache dahintersteckt. Diese Funde sind einige Millionen Jahre alt. Irgendwann zwischen jener Zeit und dem Pekingmenschen, vor 250.000 Jahren, ist das Feuermachen vermutlich erfunden worden, Und wieder in Vergessenheit geraten, um nochmals erfunden zu werden." [Seite 427/428] Wir vermuten, daß es bestimmte chronologische Vorgaben für ältere Feuerstellen sind, die damit eine zeitliche Lücke aufreißen, für die nun partout keine Feuerstellen gefunden werden können. Die Annahme, daß Feuermachen wieder vergessen wurde, ist äußerst gewagt.
  • Dem Katalog zur Ausstellung "4 Millionen Jahre Mensch", die bis zum 6. September 1998 in Berlin besucht werden konnte, entnehmen wir [Seite 45], daß die 1600 menschlichen Fossilien aus der "Knochengrube" Sima de los Huesos (Spanien) etwa 32 Individuen zugeordnet werden können und zugleich 75% aller weltweit bisher gefundenen menschlichen Fossilien des Mittleren Pleistozäns (780.000 - 120.000 Jahre) ausmachen. Wir besitzen also Skelette bzw. Skelettteile von nicht mehr als 50 menschlichen Individuen aus einer halben Million Jahre! Gunnar Heinsohn hat in seinem Buch “Wie alt ist das Menschengeschlecht?" [Mantis Verlag, Graefelfing, 2. Auflage 1996, Seite 92] angesichts des Mißverhältnisses zwischen der geringen Anzahl gefundener Steinwerkzeuge (die nicht verrotten können, wie etwa Knochen etc.) und dem für ihre Verbreitung aufgespannten chronologischen Rahmen die Frage gestellt: "Können mithin die 55 Schichten von Combre General statt für 55 Jahrtausende mit viel mehr Recht für lediglich 55 einzelne Jahre stehen?"
  • In dem Ausstellungskatalog, der im vorigen Abschnitt erwähnt wurde, finden wir weitere interessante Details [Seite 45] über die Fundlage: "Außer den Überresten von Menschen und Höhlenbären enthielt die Grube Knochen einiger Großkatzen sowie kleinerer Raubtiere. Man fand jedoch weder Knochen von Huftieren noch Werkzeuge." Weiter heißt es zu der Frage, wie die große Ansammlung von Höhlenbären-Knochen in die Grube gekommen sein könnten: "Man glaubt, es sind allmähliche Ansammlungen von Bären, die in einem Zeitraum von Hunderten oder Tausenden von Jahren während der Winterruhe starben und in den Höhlenschacht fielen." Die konventionelle Chronologie des Pleistozän stellt fast 2 Millionen Jahre zur Verfügung, in denen natürlich eine Menge Bären im Todeskampf in einen Schacht fallen können. Aber ist das Szenario sinnvoll?
  • In einem kurzen Zeitungsartikel aus der F.A.Z. vom 4. September 1996 fanden wir folgende Argumente auf der Basis von C14-Daten zusammengestellt, wonach die Erstbesiedelung Neuseelands durch die Maoris bereits 1.200 Jahre vor dem bislang als wahrscheinlich geltenden Datum möglich erscheinen würde. Die bisherige Vermutung ist, daß die ersten Maoris in Neuseeland um 1100 bis 1150 AD erscheinen. der neue Befund lautet nunmehr: C14-Datierung von neuseeländischen Rattenskeletten ergeben ein Alter von bis 2.000 Jahren. Während man früher davon ausging, daß Ratten (und andere Säugetiere) erst im Gefolge von Maoris auf die Insel gekommen sind, ergibt sich aus den C14-Daten also, daß eine erste Besiedelung Neuseelands durch die Maoris bereits vor 2.000 statt vor 800 bis 850 Jahren stattgefunden hat. Aus der sonstigen Fundlage für Artefakte muß nunmehr auf eine Besiedelungslücke von mehr als 1.000 Jahren geschlossen werden, wobei der Grund für die Aufgabe der Besiedelung unklar ist. Die gemessenen C14-Alter von rund 2.000 Jahren BP wurden mit Hilfe angeblich global gültiger Kalibrierkurven in ein historisches Alter umgerechnet. Grundsätzlich ist für die betrachtete Zeit eine ungefähre Übereinstimmung von C14- und Kalenderalter ausgewiesen. Wenn man dagegen die Kalibrierung zugrundelegt, die auf Messungen beruht, die aus Neuseeland selber stammen [vergleiche die Bilder 2.4 und 2.9 in: Christian Blöss und Hans-Ulrich Niemitz: "C14-Crash", Mantis-Verlag Graefelfing 1997), dann resultiert ein um 800 Jahre kürzeres Ergebnis für die angebliche Besiedelungslücke. Und da die erratische Schwankungsbreite von C14-Daten für an sich gleichaltrig zu behandelnde Artefakte in der Größenordnung mehrerer Jahrhunderte liegen kann, darf diese Besiedelungslücke getrost als C14-Kunstprodukt" angesprochen werden.
  • Es waren Eventualitäten der im Punkt zuvor angesprochen Art, die die Vorbehalte der Altertumswissenschaftler bei der universellen Verwendung von C14-Daten zur Errichtung eines globalen Datierungsnetzes erregten. Falsch konstruierte Chronologien erzeugen Lücken, in die dann Kulturen verdoppelnd und verdreifachend hineinprojiziert werden. Beispiele dafür rekonstruierte Gunnar Heinsohn in der Verdoppelung der Chaldäer als Sumerer ["Die Sumerer gab es nicht", Eichborn Verlag, Frankfurt a.M. 1988] und Gunnar Heinsohn und Heribert Illig in der Verdreifachung der altägyptischen Chronologie in Altes, Mittleres und Neues Reich ["Wann lebten die Pharaonen?" Mantis-Verlag Graefelfing 1997]. Und um die Existenz des Dark Age" Griechenlands (etwa 1.200 - 700 BC) rang man schon zur letzten Jahrhundertwende. Diese Diskussion wurde von Immanuel Velikovsky 1945 neu entfacht (vgl. Heribert Illig: "Die veraltete Vorzeit", Eichborn Verlag, Fankfurt a.M. 1988, Seiten 64ff.) und ist seitdem nicht mehr zur Ruhe gekommen.