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Berliner Geschichtssalon

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 Historie des Berliner Geschichtssalon

Wir ahnten immer, was Chronologen ohnehin wissen: Die Geschichte einer Institution erst im Nachhinein zu rekonstruieren, muß als äußerst schwieriges, ja oftmals hoffnungsloses, wenigstens aber unsicheres Unterfangen betrachtet werden.

Wir möchten an dieser Stelle solchen Schwierigkeiten zum Trotz die Gelegenheit ergreifen, auch auf die viel weiter zurückreichende Geschichte der "Neuen Historischen Schule" (O-Ton in einer Werbung des Eichborn-Verlages) einzugehen, aus der der Berliner Geschichtssalon 1994 als ein kleiner Seitentrieb hervorgegangen ist.

Gründung des Berliner Geschichtssalons, vormals VFG-Colloquium:

    1994: Der Berliner Geschichtssalon wird am 3. September 1994 als "VFG-Colloquium" aus der Taufe gehoben. Dieser ursprüngliche Name birgt einen Hinweis auf die Zeitschrift "Vorzeit - Frühzeit - Gegenwart". Diese wird seit 1989 in Graefelfing von Heribert Illig als Nachfolgerin des Bulletins der "Gesellschaft zur Rekonstruktion der Menschheits- und Naturgeschichte" (GRMNG) herausgegeben, und ist 1994 in Zeitensprünge umbenannt worden. So zeichnen sich schon hier etliche Wurzeln ab, die wir im folgenden nacheinander beleuchten wollen.

Die Geschichte der "Gesellschaft zur Rekonstruktion der Menschheits- und Naturgeschichte" (GRMNG) in Grundzügen:

    1982: Besagte Gesellschaft (GRMNG) wurde am letzten Mai-Wochenende des Jahres 1982 im Landhaus Dürrkopp (Wolfenbüttel) mit dem Ziel aus der Taufe gehoben, als eingetragener Verein die Forschungsergebnisse des Psychoanalytikers, Historikers und Altphilologen Immanuel Velikovsky über die Menschheits- und Naturgeschichte zu diskutieren und sie mit eigenen Beiträgen zu ergänzen bzw. zu korrigieren.

    1982-88: Dieser Gesellschaft existierte dann für etwa 6 Jahre als eingetragener Verein, entfaltete ihre Wirkung aber erst hinterher - ab 1988 - als reines Diskussionsforum, das einmal im Jahr über Himmelfahrt für 3 Tage zusammentritt, damit Interessenten (vorwiegend, aber nicht ausschließlich) aus dem deutschsprachigen Raum sich gegenseitig über neueste Ergebnisse aus der Forschung über die Chronologie der Menschheits- und Naturgeschichte unterrichten können.

Die Wurzeln der "Gesellschaft zur Rekonstruktion der Menschheits- und Naturgeschichte" (GRMNG) in den USA:

    1950-56: Immanuel Velikovsky (1895-1979) hatte die Chronologie des Altertums einer nachhaltigen Revision unterzogen und globale Naturkatastrophen als Agenten der Geschichte erkannt. Er eröffnete 1950 - seinerzeit noch auf nahezu verlorenem, wenn auch keineswegs auf übersehenem Posten - erneut die Katastrophismus-Debatte. Diese Debatte war mehr als 100 Jahre zuvor mit der Entstehung des aktualistischen Evolutionsparadigmas, das mit den Namen Lyells und Darwins verbunden ist, zusammengebrochen. Die von Velikovsky verfochtene These extraterrestrischer Ursachen besagter globaler Katastrophen trug zur Exponiertheit seines Standpunktes noch bei.

    ab 1972: In den 70er Jahren brach im englischen Sprachraum erneut eine "Velikovsky-Debatte" aus. Das wurde auch auf die Ergebnisse der Apollo-Missionen zum Mond zurückgeführt, die einige der Thesen Velikovskys, die die Astrophysik betrafen, bestätigt hatten. Es erschienen bereits Journale über die von Velikovsky angestoßenen Themen - insbesondere eben "Chronologie" und "Katastrophismus" - wie PENSÉE und KRONOS in den U.S.A oder S.I.S.-REVIEW in England, als in Deutschland noch komplette Ahnungslosigkeit über die Möglichkeit herrschte, derart weitreichende Fragen an unsere Geschichte stellen zu können.

    1978: Für uns ging es los, als Gunnar Heinsohn 1978 einen Artikel über die Thesen Velikovskys im Freibeuter, einer in Berlin erscheinenden Vierteljahreszeitschrift für Kultur und Politik, veröffentlichte. Gunnar Heinsohn war auf Velikovsky gestoßen, weil dessen Rekonstruktion einer katastrophisch beeinflußten Geschichte Vorderasiens heftige Denkanstöße für einige soziologische Fragestellungen gab. Hatten das Kindestötungsverbot der Juden und die Entstehung des Menschenopfers eine gemeinsame Wurzel in katastrophischen Geschehnissen, die auch zu den Planetengötterreligionen geführt hatten?

Bemühungen um Öffentlichkeit im deutschsprachigen Raum:

    1978: Mit der Wiederveröffentlichung von Velikovskys Hauptwerk "Welten im Zusammenstoß" (1978 im Umschau Verlag, Frankfurt a.M.) wurde nun auch in den deutschsprachigen Ländern Forschungsanstöße gegeben, die mit unterschiedlichsten Fragestellungen verbunden waren: Wie ist das Kindestötungsverbot entstanden? Reichen die historischen Wurzeln des Antisemitismus bis in die von Velikovsky rekonstruierte Katastrophenzeit zurück? Gibt es ein "Menschheitskollektiv"? Wie funktioniert die Evolution der Arten tatsächlich, wenn das Ökosystem "Erde" so nachhaltig von Katastrophen beeinflußt wurde? Wie alt ist die Erde? Wann setzte die Bronzezeit tatsächlich ein? Wie entstand das Privateigentum? Wie funktioniert Gravitation? ...

    1982-88: Zu den Gründungsmitgliedern der "Gesellschaft zur Rekonstruktion der Menschheits- und Naturgeschichte" (GRMNG) gehörte auch Christoph Marx, der u.a. zwei Bücher Velikovskys ins Deutsche übersetzt hatte und einen eigenen Verlag ("Podium Akademisches Forum" - P.A.F.) besaß, der von 1982 bis 1988 sechzehn sogenannte Quarthefte für die GRMNG herausgab, die sich auf die eine oder andere Weise mit chronologischen Fragen der Menschheits- und Naturgeschichte auseinandersetzten. C. Marx versorgte die Autoren (so sie wollten) nebenbei mit den weltweit ersten portablen Personalcomputern der Marke OSBORNE (zwei 5.25"-Laufwerke bei zuerst 128 und später dann 256 KB RAM), für deren damaligen Preis man heute drei PC’s der Spitzenklasse erhalten würde.

    1988-91: Ab 1988 veröffentlichte der harte Kern der "deutschen Velikovskyaner" - die längst auch zu Kritikern von Velikovskys Schlußfolgerungen geworden waren - im Eichborn-Verlag (Frankfurt a.M.) 6 Bücher, die den seinerzeitigen Stand der Debatte über die Chronologie der Menschheits- und Naturgeschichte darlegten und mittlerweile vergriffen sind, von dem Verlag aber nicht neu aufgelegt wurden. Diese Bücher hinterfragten - um es auf einen Nenner zu bringen - die modernen Selbstverständlichkeiten in zeitlicher Hinsicht ("langsam, aber dafür stetig") und kausaler Hinsicht ("was wir heute an Ursachen erkennen, ist ein Generalschlüssel für unsere gesamte Vergangenheit"). Die Titel dieser Bücher waren Programm: "Die veraltete Vorzeit" (Illig), "Jenseits von Darwin" (Blöss), "Die Sumerer gab es nicht" (Heinsohn), "Warum Antisemitismus?" (Heinsohn), "Wann lebten die Pharaonen?" (Heinsohn/Illig), "Planeten, Götter, Katastrophen" (Blöss).

    1991-heute: Ein Dissens mit dem Eichborn-Verlag entstand, als Heribert Illig auf dem Jahrestreffen der Chronologen in Berlin 1991 eine These vortrug, die die Erfindung von 297 Jahren in der Weltgeschichte, nämlich im Frühmittelalter, behauptete. Das Ende dieser Zusammenarbeit führte zu einer verstärkten Tätigkeit des Mantis-Verlages von Heribert Illig. Das Buch zum Thema "Erfundenes Mittelalter" ist in erweiterter Fassung 1996 im Econ-Verlag erschienen und hat in bisher 2 Jahren mehrere Auflagen erlebt. Die These eines "Erfundenen Mittelalter" scheint auf viele Menschen obszön zu wirken. Wir stellen dagegen, daß es die jahrelange methodische "Schulung" in Chronologiefragen zu emotional weniger besetzten Themen war, die es ermöglichte, diese im ersten Hinsehen so absurd scheinende These dennoch ernsthaft zu bearbeiten. Eine Zusammenfassung der Arbeiten der "Neuen Historischen Schule", die eigentlich noch bei Eichborn erscheinen sollte, kam 1992 als "Chronologie und Katstrophismus" im Mantis-Verlag heraus und ist zur Zeit vergriffen. Es ist geplant, die alten Eichborn-Titel erneut herauszubringen, wobei mit "Wann lebten die Pharaonen?" 1997 der erste Schritt getan wurde. Bis heute sind 10 Buchtitel erschienen und haben rund 90 verschiedene Autoren etwa 400 Artikel für die Zeitschrift Zeitensprünge beigesteuert.

    1998: Unüberbrückbare Differenzen über Methodik, Inhalte und Genese der Chronologierevision des Mittelalters führen zu einem Bruch zwischen dem Mantis-Verlag und Uwe Topper. Infolgedessen veröffentlicht Uwe Topper im Oktober 1998 ein Buch zur Chronologie des Mittelalters im Grabert-Verlag. Scharfe Kritik wird geäußert sowohl wegen der Verlagswahl (der Grabert-Verlag gilt als einer der rechtesten Verlage Deutschlands) als auch wegen des bewußten Verschleierns und Verfälschens der Quellen für die vorgetragenen Überlegungen und Gedanken. Am 1. März 1999 wird zu dieser Problematik eine Diskussionsveranstaltung im Berliner Geschichtssalon stattfinden (siehe dazu das entsprechende Datum im folgenden Abschnitt "Aktivitäten in Berlin")

    1999: Am 22. März findet ein erster "Karlsruher Geschichtssalon" unter den Motto " Wie entstand die Chronologie und warum wir heute der Geschichtsschreibung sehr kritisch gegenüberstehen?"statt. Im Laufe des ersten Jahres seiner Existenz wurden fünf Sitzungen und einige Ausflüge zu den prähistorischen Stätten (megalithische Pyramiden und weitere  Grabbauten aus Stein) bei Bretten und Maulbronn durchgeführt (siehe die regelmäßigen Berichterstattungen in der Internet-Zeitschrift "Geschichte und Chronologie"). Auch in Leipzig und Bonn sind eigene Veranstaltungen in Anlehnung an die Tradition des Berliner Geschichtssalons in Planung. Die Trennung zwischen dem Mantis-Verlag und Uwe Topper (s.o.) kann als ein Symptom für die zunehmende Diversifizierung in der deutschsprachigen Chronologiekritikszene interpretiert werden. Auf einem Treffen in geschlossenem Kreise in Paderborn Anfang Oktober wurde kein Versuch unternommen, die bisher entstandenen Probleme aus dieser Diversifizierung zu analysieren und Wege zu ihrer Lösung aufzuzeigen. Ein weiterer Grund für die methodischen Reibereien ist in dem wachsenden Bekanntheitsgrad insbesondere der Mittelalterthese von Heribert Illig zu sehen. Der Vorwurf der Trittbrettfahrerei wird erhoben. Während das erste Buch Uwe Toppers einen eklatanten Verstoß gegen die Regeln der Fairneß im Umgang mit Kollegen darstellt, wird das zweite Buch Uwe Toppers ("Erfundene Geschichte", Langen-Müller Verlag 1999) von der Öffentlichkeit als "Hilfestellung" für Heribert Illig interpretiert (Rezension von H. Hänsel in der FAZ vom 8.6.99, p.55).

    2000: Im Juni 2000 erscheint ein Buch zur Chronologie des Känozoikum (“Ceno-Crash” von C. Blöss) in einem eigenen Verlag. Diese Verlagsneugründung ist auch eine Folge der nicht mehr unter einem einzigen Hut zu haltenden Arbeit der deutschsprachigen Chronologiekritiker.

Aktivitäten in Berlin:

    1994: Die Gründung des Berliner Geschichtssalons im Sommer 1994 entsprang dem Bedürfnis der in Berlin ansässigen Chronologiekritiker, öfters als einmal im Jahr über spannende Themen diskutieren zu können bzw. eine Gelegenheit zu haben, neue Ideen vorzustellen und prüfen zu lassen. Es sollte weitgehend offen bleiben, welche Schwerpunkte sich dann herausbilden würden.

    1995: Am 17. März 1995 wurde dieser Name für das 4. Treffen erstmalig in Berliner Geschichtssalon abgewandelt. Die Väter dieser Einrichtung - Christian Blöss, Hans-Ulrich Niemitz und Uwe Topper - wollten damit hervorheben, daß sie ihrer Leidenschaft für "Geschichten" gemeinsam mit anderen in einer Atmosphäre nachgehen wollen, die Lust und Freude beinhalten möge, nicht jedoch Humorlosigkeit und Dogmatismus.

    1998: Seit dem Oktober 1998 kann man sich  im WWW über den Berliner Geschichtssalon informieren, Termine abfragen und sich Texte herunterladen, die aus den Vortragsthemen hervorgegangen sind oder auf die eine oder Weise darauf Bezug nehmen. Eine CD mit dem kompletten Material aller 16 Veranstaltungen bis einschließlich 1998 erscheint (Dabei stellte sich heraus, daß zwei aufeinanderfolgende Salons - nämlich der 5te und 6te - als "5. Berliner Geschichtssalon" liefen - so einfach können also Verdoppelungen in der Chronologie entstehen ...).

    1999: Am 1. März findet der 16. Berliner Geschichtssalon als Diskussionsveranstaltung zu dem Thema "Rechte und Pflichten eines Wissenschaftlers, der mit seinen Erkenntnissen oder denen anderer Wissenschaftler an die Öffentlichkeit tritt" statt. Diese Veranstaltung ist die "retardierte" Reaktion auf das zwischen dem Mantis-Verlag und Uwe Topper entstandene "Schisma" (zu Einzelheiten siehe die entsprechende Einladung). Die beiden Verantwortlichen für die Durchführung der Salons - Christian Blöss und Hans-Ulrich Niemitz - tun sich nicht leicht mit dem seit Herbst '98 immer schärfer werdenden Konflikt, der nichtsdestotrotz unabwendbar auch in den Berliner Geschichtssalon hineinragt. Der Ablauf dieser Diskussionsveranstaltung hat zur Folge, daß sich die beiden im Verein mit einem neu entstandenen Lenkungsgremium für den Berliner Geschichtssalon von Uwe Topper distanzieren und die weitere Zusammenarbeit mit ihm bis auf weiteres beenden. Während dieser Veranstaltung wird deutlich, daß sehr unterschiedliche Ansichten über eine angemessene Organisation des Jahrestreffens und Führung der Zeitschrift "Zeitensprünge" bestehen. Am 12. Juli hält Dr. H.-J. Zillmer anläßlich des "17. Berliner Geschichtssalon" einen provokativen Vortrag über die Probleme und Fehler der Darwinschen Evolutionstheorie ("Menschen und Dinosaurier lebten gemeinsam") und hilft damit, das Salon-Schiff wieder auf Kurs zu bringen.

    2000: Im Zuge der Reorgansisation des Berliner Geschichtssalons kommt es auch zu einer Ausweitung der Vortrags- und Diskussionsthemen in Richtung Reflektion der Grundlagen unseres Geschichtsbildes: “Welche Geschichten machen Geschichte?” wird im 18. und 19. Salon gefragt und die mit dem Thema “Entstehung und Zukunft des Geldes” begonnene Reihe “Gesellschaftliche Bindemittel” setzt mit dem 20. Salon ein und wird mit dem 21. fortgesetzt. Für den November ist der Vortrag “Funktioniert der Darwinsche Evolutionsmechanismus?” von Georg Menting geplant, wodurch die Naturgeschichte erneut einmal in das Zentrum der Diskussion rücken wird.

    2001: Im April löst sich der ›Lenkungs- und Korrdinationsausschuß‹ anlässlich des 24. Berliner Geschichtssalon auf.

Blick nach vorne:

    Die bisherigen "Salons" dürfen als gelungene Experimente spannender und aufmerksamer Beschäftigung mit (längst) vergangenen Ereignissen in Raum und Zeit betrachtet werden. Die Veranstalter bemerken immer wieder verwundert, mit welcher Liebe und Sorgfalt die Besucher ihre Anmerkungen in den Raum stellen und mit welcher Aufmerksamkeit sie ihren Mitbesuchern begegnen, die ihre persönlichen Ansichten oder auch die von Dritten vorstellen.

    Die Namensgebung dieser Einrichtung speiste sich auch aus der Hoffnung, irgendwann eine Persönlichkeit zu finden, die sich nichts Angemesseneres vorstellen kann, einen Teil ihres Hab und Gutes (oder doch zumindest ihren "Salon") in den Dienst der Retrospektion zu stellen. So angenehm diese Hilfestellung sicherlich sein würde, so dürfen die Akteure doch vermerken, daß auch die Summe der Bemühungen weniger begüterter Einzelpersonen einem Zirkus wie dem Berliner Geschichtssalon gehöriges Leben einzuhauchen vermag.