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 Galerie Bellevue                                                                                                       11. Juni 2007, 19:00 Uhr

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Geschichte!

 

 

Astronomische Gegenkritik der Chronologiekritik und des
Katastrophismus – eine Bestandsaufnahme nebst Weiterführung

Ronald Starke verfasst zur Zeit zu dieser Problematik ein umfangreiches Skript, welches bis zum Vortrag vorliegen wird. Wir veröffentlichen hier im Vorabdruck dessen Einleitung, was zugleich als Erläuterung des Vortragsthemas dienen mag:

Einleitung zur Astronomischen Gegenkritik
Ronald Starke

Das Wort Chronologie hat zwei Bedeutungen. Zum versteht man darunter die zeitliche Reihenfolge einer bestimmten Kette von Ereignissen und deren Einordnung auf einer Zeitachse, zum anderen die Wissenschaft davon, wie die richtige Reihenfolge zu ermitteln sei. Unter herrschender Chronologie verstehe ich im Folgenden diejenige Chronologie im ersten Sinne, welche unter der großen Mehrheit der akademischen Historiker heute einen Konsensus darstellt. Als Referenz hierfür kann etwa der "Große Plötz" dienen. Nach dieser herrschenden Chronologie ist beispielsweise Caesar von uns heutigen rund 2000 Jahre entfernt oder Ramses II. rund 3200 Jahre. Diese herrschende Chronologie ist ab den frühen Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts in die Kritik geraten. Eine Reihe von chronologischen Gegenentwürfen wurden präsentiert, welche vor allem eine starke Kürzung bzw. Streichung zunächst nur des sogenannten Dunklen Zeitalters Griechenlands (rund 1200 bis 700 v.Chr.) und Ägyptens (3. Zwischenzeit, 1070 bis 664 v.Chr.), dann der gesamten vorderasiatischen, ägyptischen und frühgriechischen Geschichte postulierten. [bsplw.: Velikovsky 1978, 1983, 1983a, Heinsohn / Illig 2001, Heinsohn 1996, Heinsohn 1988] Überspitzt gesagt wäre dann praktisch jede frühe Hochkultur der nahöstlichen Geschichte der Doppelgänger mindestens einer anderen, etwa die alten Sumerer (3. Jahrtausend) die Doppelgänger der Chaldäer (1. Jahrtausend). Sumererfunde müssten komplett auf die Chaldäerzeit verteilt, die von der herrschenden Chronologie im 3. Jahrtausend geführten Ereignisse ersatzlos gestrichen bzw. im ersten Jahrtausend als Chaldäerereignisse geführt werden. In den Neunziger Jahren des 20. Jahrhundert erreichte die Chronologiedebatte einen neuen Höhepunkt, als auch die nachchristliche Chronologie ins Schussfeld der Kritik geriet. [Illig, Illig/Anwander, Weissgerber, zahllose Artikel in der Zeitschrift „Zeitensprünge“] Es wurde vorgeschlagen rund 300 Jahre frühmittelalterlicher Geschichte zu streichen (tentativ: 614 bis 911).

Die bisher unter dieser Zeitspanne geführten Ereignisse seien zum Teil mythischer Natur, zum Teil absichtsvolle Fiktion oder aber späte Rückprojektionen. Funde aus dieser Zeit, sofern überhaupt vorhanden, müssten umdatiert werden. Die klassische Antike – deren Realität wird nicht bezweifelt – sei von uns heutigen um rund 300 Jahre weniger entfernt, als es die herrschende Chronologie annehme.
In personellem, wenngleich nicht unbedingt logischem Zusammenhange mit der Chronologiekritik steht die Theorie des Katastrophismus [ursprünglich Velikovsky 1982, siehe auch Illig 1992], welche besagt, dass die Erde und die Menschheit in ihrer Frühgeschichte durch globale Großkatastrophen erschüttert wurde, welche auch die kulturelle Entwicklung wesentliche geprägt haben (beispielsweise die Entstehung von Astralkulten). In ihren ursprünglichen Form [Velikovsky 1982] besagte diese Theorie, dass zu historischer Zeit eine durch Planetennahbegegnung (in der Folge chaotischer Vorgänge im Sonnensystem) induzierte, katastrophische, schwere Verwüstungen hinterlassende, von der Menschheit traumatisch empfundene Erdbahnveränderung stattgefunden habe (u.a. Wechsel von einem 360-Tage- zu einem 365,25-Tage-Jahr). Physikalische Szenarien hierzu wurden oft in krasser Opposition zur akademischen Physik entworfen. (Velikovsky: "Cosmos without gravitation") Inwiefern dem heutigen Katastrophismus diese Vorstellungen immer noch zu Grunde liegen, konnte ich nicht ermitteln, da die einschlägige Literatur sich oft auch auf konventionelle Szenarien zu berufen scheint (etwa Katastrophe in der Folge eines Kometenimpaktes).

In diesem Artikel wird nun die Auseinandersetzung mit der Chronologiekritik und dem Katastrophismus mit den Mitteln der Astronomie geführt. Dies darf jedoch nicht dahin missverstanden werden, dass etwa den oben genannten Theorien keine anderen Argumente entgegengestellt werden könnten, denn astronomische. Vielmehr liegt die Beschränkung der Zielstellung daran, dass der Autor Physikstudent ist und als solcher sich nur auf dem Gebiete der Astronomie halbwegs sattelfest fühlt, weshalb er sich, was nicht-astronomische Argumentationen anbelangt, aufs Referieren, Kolportieren und Bibliographieren verlegt hat. Was nun aber die Astronomiehistorie betrifft, so besteht das Ziel darin, durch eine Tour d'horizon der bisherigen Kritik, ergänzt um einige ganz wenige neue Gedanken, zu zeigen, dass die herrschende Chronologie als gut bestätigt gelten darf und dass überdies in historischer Zeit keine Erdbahnparameteränderung stattgefunden hat. Im Folgenden wird mein Standpunkt kurz zusammengefasst:

I

  1. Die Gravitationskraft ist real und verschließt sich einer elektromagnetischen Deutung der naiven Form (à la "Gravitationskraft = verkappte Coulombkraft").
  2. Die Theorie eines elektromagnetischen Universums ("cosmos without gravitation") ist unhaltbar.
  3. Die Trajektorien aller großen Himmelskörper werden durch die Gravitationstheorie korrekt beschrieben.
  4. In historischer Zeit hat keine katastrophische Erdbahnparameterveränderung stattgefunden.
  5. Die quantitative Beschreibung der Naturerscheinungen durch die herrschende Physik ist zutreffend.

II

  1. Astronomische Retrokalkulationsbeweise sind nicht zirkulär.
  2. Der Korpus der astronomischen Überlieferung der Antike beweist das Zutreffen der üblichen Chronologie.
  3. Insbesondere die Phantomzeittheorie des frühen Mittelalters und die Theorie einer Identität von Sargoniden und Achämeniden sind unhaltbar.
  4. Der Almagest ist keine mittelalterliche Fälschung, sondern sehr wohl ein antikes Werk.
  5. Die im Almagest angegebene Sequenz vorderorientalischer Herrscher ist im Wesentlichen korrekt.

Der Vortrag ist auf anderthalb Stunden anberaumt. Danach wird Ronald Starke den Gegenargumenten der Chronologiekritiker Rede und Antwort stehen.

Ihr Christian Blöss, Ulf Heinsohn, Michael Vogelsang (Berlin) und Hans-Ulrich Niemitz (Berlin/Leipzig)