Berliner Partykultur in den Zwanzigern
Die Goldenen Zwanziger
Historisch betrachtet wird als Goldene Zwanziger der Zeitabschnitt zwischen 1924 bis 1929 bezeichnet. Während die schweren Jahre davor von Krisen, Armut und Krankheiten geprägt waren, folgte nun ein rasanter Aufschwung. Die Kultur blühte in der Weimarer Republik und es kamen immer neue Trends auf. Begünstigt wurde das rasante Wirtschaftswachstum durch eine neue Form von Auslandskrediten. Die Republik musste in ihren letzten Jahren immer höhere Kredite aufnehmen um alte Schulden begleichen zu können, da die Einwohner nicht genug Steuern abwarfen, um diese selbst bezahlen zu können. Das war auch das Ende der ganzen Pracht und die Weltwirtschaftskrise setzte den endgültigen Schlusspunkt.
In all dem ganzen Trubel stand die Reichsstadt Berlin. Damals wurde sie als Metropole bezeichnet und war die Weltstadt schlechthin. Es pulsierte das Leben und sie wurde als Stadt bezeichnet, die niemals schläft - den Titel hat ihr heute New York abgelaufen.
Die meisten Menschen führten eine feste Beziehung, doch langsam lösten sich diese alten gesellschaftlichen Normen auf. Religion spielte schon seit längerer Zeit keine so wichtige Rolle mehr und verlor immer mehr an Einfluss. So kam es immer mehr in Mode, mit mehreren Personen gleichzeitig zu flirten. Die Kirche wäre früher mahnend eingeschritten, wie stark das heilige Bündnis der Ehe zu wahren sei, doch nun kam es in Berlin zu verschiedenen multikulturellen Einflüssen. Freudenhäuser wurden eröffnet und es entstand eine neue freizügige Gesellschaft. Trotzdem sollte es noch gute 50 Jahre dauern, bis ein Kleidungsstück wie der Bikini in der Gesellschaft Akzeptanz finden konnte.
Das neue Bild der Frau
Während Frauen zuvor in feste Rollen gedrückt wurden, ermöglichte die Großstadt eine neue Entwicklung. Sie konnten sich frei entfalten und unabhängig werden vom Mann. Damit einher ging eine neue sexuelle Offenheit. Derartige Themen wurden in den Medien diskutiert und in Romanen behandelt.
Sex war kein Tabu mehr, sondern offenes gesellschaftliches Thema. Dies kam auch der Kunst der Verführung gelegen. Während in alten Zeiten eine Frau ihre Leben lang an einen Mann gebunden war und Fremdgehen ein Verbrechen darstellte, war nun ein heißer Flirt ohne Folgen möglich.
Eine Partnervermittlung gab es zwar zu diesen Zeiten noch nicht, doch die ersten Grundsteine für die Zukunft waren gelegt. Parallel dazu kam es in Mode, wild und ausgefallen zu tanzen. Der Jazz wurde immer beliebter und war bald ein Bestandteil des Berliner Nachtlebens.
Die Kleidung der Frau vollzog gleichfalls einen Wandel. Während früher eine Frau wie eine Puppe geschmückt wurde, kleidete sich die Frau nun nach Belieben selbst ein. Es zählte der schockierende Effekt von Kleidung. Frauen ließen sich teilweise Kurzhaarschnitte schneiden, um aufzufallen. Es wurden Accessoires getragen wie Handtaschen und Perlenketten, was in der heutigen Zeit auch noch üblich ist. Die Mode wechselte von feinen Abendkleidern, zu schicken und trendigen Outfits für die Berliner Partys.
Berliner Nightlife
Das Partyleben war geprägt von wilden Partys und rauschenden Festen. Da es durch den 1.Weltkrieg einen deutlichen Frauenüberschuss gab, wurde das Nachtleben von zahllosen Frauen bevölkert, die einen Mann suchten. Frauen durften ebenso wie Männer rauchen und die Geburtenrate sank.
Das alles wirkte sich auch auf die Partys aus, die immer mehr zum Single Treff avancierten. In alten Zeiten waren Hoftänze und Traditionen üblich, nun wurden Bars eröffnet, die jeden zum gemeinsamen Betrinken einluden. Der Kurfürstendamm und die Gedächtniskirche wurden zum Zentrum Berlins und das Leben der jungen Leuten spielte sich in diesen Teilen der Stadt ab. Es entstanden neue Kinos wie der Ufa-Palast oder das Capitol zum Ende der Stummfilmzeit.
Jede gesellschaftliche Schicht hatte ihr eigenes Viertel. So war der Straßenzug zwischen Olivaer und Nollendorfplatz das Zentrum für Berliner, die viel Geld hatten. Die älteren Mitbürger spazierten genüsslich auf der Prachtstraße Unter den Linden.