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Berliner Geschichtssalon

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 Text der Einladung zum 16. BGS am 1. März 1999

 16. BGS
 Koordinierung
 Das gesellige Canapé
 Karneval
Nachtrag zu den Ereignissen in Verbindung mit dem 16. Berliner Geschichtssalon aus Anlaß der zufälligen Entdeckung einer Gedenktafel für Rahel Varnhagen von Ense in der Jägerstraße 54 (Berlin Mitte)

rahel_vDie Jägerstraße quert (ebenso wie die parallele Taubenstraße) den Gendarmenmarkt im Zentrum Berlins und mündet ostwärts in das Areal des Werderschen Marktes, an dem beispielsweise der Neubau des Auswärtigen Amtes liegt. Auf dem Gendarmenmarkt befindet sich das Schauspielhaus, flankiert vom Französischen (nördlich) und vom Deutschen Dom (südlich).

Der Bau der Friedrichstadt ging ab 1688 unter Beteiligung auch vieler Hugenotten vonstatten. 1700 wies Kurfürst Friedrich III (später Friedrich I., König von Preussen) der lutherischen und der französisch reformierten Gemeinde je ein Grundstück auf dem Gelände des späteren Gendarmenmarktes zu, wo dann bis 1708 die zwei Vorgängerbauten der heutigen Dome entstanden. Die Zuweisung der Grundstücke und der Bau zweier benachbarter Kirchen für unterschiedliche Gemeinden standen im Zeichen des Potsdamer "Toleranz"-Ediktes von 1685, auf dessen Grundlage zahlreiche protestantische Glaubensflüchtlinge nach Berlin und in die umgebende Mark Brandenburg eingewandert waren.

Bild_der_Wahl_sIm Eingangsbereich der Jägerstraße 54 kann eine Gedenktafel für Rahel Varnhagen von Ense entdeckt werden (siehe Bild rechts). Der Eintrag beginnt mit einer kurzen Lebensbeschreibung: »Rahel Varnhagen von Ense, geborene Levin, 1771 - 1833, versammelte ab 1798 Menschen verschiedener Stände und Konfessionen in ihrem ersten literarischen Salon. Hier wurde mit Worten gefochten, Kritik mit Geist und Witz geübt, um Wahrheit gerungen.« Die Inschrift endet dann mit folgendem Eintrag:

"Eigenthum? Eigenthümlich?
Unser Eigenthum ist nur das, was uns keiner nachmachen kann.
Dazu gehört noch unser Sein.

Könnte in dem mittleren der drei oben zitierten Sätze Rahel Varnhagens – »Unser Eigenthum ist nur das, was uns keiner nachmachen kann« – ein Ansatz zur Lösung der Situation verborgen liegen, die nach dem 16. Berliner Geschichtssalon entstanden ist?

 

Einladung zum 16. Berliner Geschichtssalon - die Analyse eine Problems (3. Februar 1999)

Der 16. Berliner Geschichtssalon war eine Ausnahmeveranstaltung, auf der mit Uwe Topper über seine jüngste Buchveröffentlichung (1) diskutiert wurde. Dafür war die Durchführung seines ursprünglich geplanten Vortrages über die Entstehung des Christentums von den Veranstaltern abgesagt worden. Dieses Buch [“Die Große Aktion”] hatte großen Ärger mit den Herausgebern der “Zeitensprünge” hervorgerufen. Ursache dafür war a) die Wahl des Verlages und b) die wahrheitsungetreue Darstellung der Genese des Bildes mittelalterlicher Geschichte, das Uwe Topper in diesem Buch entwarf. Die Zeitschrift brach daraufhin jeglichen Kontakt mit Uwe Topper ab.

Für die Betreiber des Berliner Geschichtssalons stellte sich mit diesen Ereignissen ein bisher unbekanntes Problem. Wie soll mit Kollegen - Freunden gar - verfahren werden, die bestimmte Spielregeln nicht einhalten? Wer formuliert diese Spielregeln, und vor allem, wer ist dazu legitimiert festzustellen, ob diese verletzt sind? Welche “Sanktionen” stehen uns gegebenenfalls zu? Was ist dazu angemessen in einer Kulturlandschaft, die jenseits und abseits des Zivil- und Strafrechtes die buntesten Blüten treibt? Viele Fragen und keine Antworten, die ad hoc als gesichert und konsensfähig bezeichnet werden konnten.

In dieser Situation fiel die Entscheidung, zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema “Rechte und Pflichten eines Wissenschaftlers, der mit seinen Erkenntnissen oder denen anderer Wissenschaftler an die Öffentlichkeit tritt” einzuladen. Den Text der Einladung zu dieser Veranstaltung, die am 3.2.99 veröffentlicht wurde, geben wir hier wieder.

1. Einladung zum 16. Berliner Geschichtssalon

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Wir möchten Sie herzlich zum 16. Berliner Geschichtssalon am Montag den 1. März 1999 um 19°° Uhr in die Galerie Bellevue einladen (Standort). Diesesmal wird es nicht wie sonst üblich einen Vortrag geben. Stattdessen möchten wir eine öffentliche Diskussion über Rechte und Pflichten eines Wissenschaftlers, der mit seinen Erkenntnissen oder denen anderer Wissenschaftler an die Öffentlichkeit tritt, durchführen. Der Grund für diese Programmänderung liegt in Folgendem: Vor allem den Lesern der Zeitschrift "Zeitensprünge" wird nicht entgangen sein, daß mit der jüngsten Buchveröffentlichung "Die 'Große Aktion'" (1) von Uwe Topper ein seit rund zwei Jahren schwelender Konflikt zwischen Heribert Illig (Herausgeber von "Zeitensprünge" sowie Autor des Buches "Das erfundene Mittelalter") und Uwe Topper (langjähriger Mitstreiter für eine revidierte Chronologie) zum Ausbruch gekommen ist. Heribert Illlig hat nunmehr "jeden Kontakt" mit Uwe Topper abgebrochen.

    Dieser Konflikt zwischen Heribert Illig und Uwe Topper beruht auf einer von Heribert Illig wiederholt angemahnten Zitationspflicht hinsichtlich wesentlicher Prioritäten bei der Kritik mittelalterlicher Geschichte und Chronologie, die in besagtem Buch von Uwe Topper jedoch uneingelöst geblieben sei [zusammenfassend in (2)].

    Nach mehreren Gesprächen mit Uwe Topper gegen Ende des vergangenen Jahres wissen wir, daß dieser das Bestehen einer Zitationspflicht, wie sie seitens Heribert Illig angemahnt wurde, bzw. einen Mangel im Bedienen dieser Pflicht und deshalb einen eigentlichen Anlaß für den Konflikt nicht zu erkennen vermag. Wir erfuhren aber auch von ihm, daß er einen wissenschaftlichen Spagat geprobt hat, indem er das Thema "Geschichtsschreibung über das Mittelalter" unter Inkaufnahme "weißer Flecken" in der Schilderung behandelt hat, um sich Auseinandersetzungen mit Heribert Illig, deren es in der Vergangenheit schon einige gegeben hatte, zu ersparen.

    Wir legen mit dieser Einladung zugleich auch unsere Sichtweise und unsere Reaktion auf diese Geschehnisse dar.

2. Das Konfliktpotential in der etablierten Wissenschaft und der aktuelle Konflikt zwischen Heribert Illig und Uwe Topper

    Eines erscheint uns klar. Dieser Konflikt ist nicht typisch für den normalen Wissenschaftsbetrieb. Das heißt nicht, daß es dort nicht auch zu Prioritätsfragen oder sogar -streitigkeiten kommt. Doch die Konflikte - oftmals jenseits bewährter rechtlicher und damit bereits auf eher diffuser moralischer Ebene - setzen typischerweise früher an, bevor es nämlich überhaupt zu einer Veröffentlichung kommt.

    Für eine „gute wissenschaftliche Praxis" empfiehlt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ihren Mitgliedern, die Verpflichtung zur Wahrung „strikter Ehrlichkeit im Hinblick auf die Beiträge von Partnern, Konkurrenten und Vorgängern" institutionell festzuschreiben (3). Der Fokus liegt dabei auf folgenden Eventualitäten, die in den letzten 10 Jahren vor 1997 jeweils dreimal eingetreten bzw. öffentlich geworden seien:

    • Verwenden fremder und vor allem noch nicht veröffentlichter, vertraulich überlassener Ergebnisse durch Gutachter,
    • Fälschen und/oder Unterschlagen von Daten zur Rechtfertigung der Veröffentlichung einer neuen Theorie.

    Der Konflikt zwischen Heribert Illig und Uwe Topper betrifft dagegen den Vorwurf, daß die geistige Urheberschaft bereits veröffentlichten Materials von Uwe Topper in seiner neuesten Buchveröffentlichung verschwiegen bzw. systematisch verfälscht dargestellt wird. Im Vergleich zu den beiden oben angegebenen Konfliktmöglichkeiten liegt also ein Fall vor, der von jedermann relativ leicht durch das Auswerten der entsprechenden Veröffentlichungen entschieden werden kann, was von uns im folgenden Abschnitt auch kurz untersucht werden soll. Weiterhin werden wir zu klären versuchen, welcher Schaden daraus bereits erwachsen ist und noch erwachsen kann. Dabei sind nicht nur die berechtigten Interessen von Heribert Illig, sondern auch die der Kollegen, die im engeren Kreise an ähnlichen Themen arbeiten, zu berücksichtigen.

3. Der faktische Hintergrund des Konfliktes zwischen Heribert Illig und Uwe Topper

    Der von Heribert Illig in "Zeitensprünge" [4-98, Seiten 631-43] erhobene Vorwurf des bewußten Verschleierns und/oder Verfälschens der Quellen für die von Uwe Topper vorgetragenen Überlegungen und Gedanken besteht zu recht. In dem Buch "Die 'Große Aktion'" werden auf systematische Weise zwei Dinge unter den Tisch gekehrt, die tatsächlich einen Ausgangspunkt und eine Grundlage des Topperschen Forschungsansatzes bilden: A) die Bedeutung der Initialidee von Heribert Illig und Hans-Ulrich Niemitz [VFG 1-91] hinsichtlich der Substanz und der Chronologie des Mittelalters und vor allem B) die daraus sich entwickelnde Forschungsarbeit von Heribert Illig, der dieser Initialidee eine wegweisende Formulierung, ein sachliches Rückgrat und eine umfassende inhaltliche Ausarbeitung gegeben hat.

    Wir haben guten Grund zur Annahme, daß Uwe Topper dieser Beschreibung seiner Vorgehensweise gar nicht widersprechen würde, denn er hat die Form "bezugsloser" oder "geschichtsloser" Darstellung explizit gewählt, um jener Art von Konflikt mit Heribert Illig, wie er jetzt auf dem Tische liegt, aus dem Wege gehen zu können. Man kann aber keine korrekte Geschichte erzählen, wenn bestimmte und vor allem wesentliche Bezüge bewußt und systematisch ausgeblendet und dafür dann Ersatzbezüge angeboten werden. So gesehen enthält Uwe Toppers Buch über Geschichtsfälschung selber ein Lehrstück der Geschichtsfälschung.

    Andererseits ist Uwe Topper kein reiner Ideenverwurster oder gar bloßer Absahner. Wir kennen Uwe Topper vielmehr als jemanden, der intellektuell seine eigenen Wege geht. Ideen und Gedanken, die er von anderen aufgreift, nutzt er konsequent für die eigene Sache, die er mittlerweile seit Jahrzehnten verfolgt. Das fragliche Buch baut deshalb auch nicht nur auf der Illigschen Mittelalterthese auf, sondern hat zahlreiche Rückbezüge zu eigenen Ausarbeitungen, die naturgemäß auch vor der Zeit liegen, in der er Bekanntschaft mit jener Mittelalterthese machte. Anders ist es von einem kreativen Menschen wie Uwe Topper auch nicht zu erwarten und der Vorwurf, daß er peinlich genau in die Fußspuren eines anderen trete [ZS 4-1998, 638], macht keinen Sinn. Das wird uns an dem Beispiel der Behandlung des Themas der "Geburt des Fegefeuers" deutlich, eines Themenkreises, den Topper bereits 1988 in einem anderen Zusammenhang beleuchtet hat, nämlich in einem Buch über christliche Wurzeln in der Tradition des Wiedergeburtsgedanken. Wir gehen davon aus, daß er in "Die 'Große Aktion'" den bekanntesten Historiker zu dem Thema "Fegefeuer", Le Goff, nicht deshalb aus dem französischen Original übersetzt hat, um auf diese Weise die Kenntnis einer deutschen Übersetzung aus Illigs Artikel von 1992 [VFG 2-1994] zu verschleiern. Deshalb ist eine eigenständige Toppersche Tradition in der Beschäftigung mit beispielsweise diesem Thema evident und der Vorwurf eines bloßen Wiederkäuens fremder Ideen unzutreffend.

    Die Tatsache des Drumherumschreibens um die Hintergründe der Genese seines Entwurfs steht nichtsdestotrotz massiv im Raum und Uwe Topper ist dringend zu raten, seine Motive für die Verschleierung wesentlicher Bezüge seiner Arbeit über die Geschichte des Mittelalters offenzulegen und die Darstellung dieser Bezüge entsprechend zu korrigieren. Das wäre zugleich der einzige Weg, wie die Originalität der eigenen Gedanken, die unserer Auffassung nach zweifellos gegeben ist, ihrerseits dauerhaft gewürdigt werden kann.

4. Welche Folgen können daraus erwachsen?

    Aus der Anzahl verkaufter Exemplare der jeweiligen Bücher von Heribert Illig bzw. Uwe Topper - für das Mittelalter-Buch von Heribert Illig sind es mittlerweile sicherlich mehrere zehntausend, für das erste Buch von Uwe Topper unseres Wissens nach zur Zeit höchstens die Tausend der ersten Auflage - ließe sich eine Gefährdung des Anspruchs auf redliche Darstellung der Prioritätsfrage nicht ableiten. Das Mittelalter-Buch ist seit mehreren Jahren auf dem Markt und hat zehntausende Leser direkt und in der Essenz Millionen von Radiohörern und Fernsehzuschauern erreicht. Das sollte ausreichen, die Tatsachen für sich sprechen zu lassen und in zehntausenden informierten Lesern (von den Zuhörern und Zuschauern hier einmal abgesehen) ein ausreichendes Übergewicht gegenüber tausend desinformierten Lesern zu sehen. Wenn sich die zentralen Thesen zur Geschichte des Mittelalters in der Öffentlichkeit durchsetzen sollten, dann werden Wissenschaftshistoriker keine großen Hürden nehmen müssen, um den kreativen Beitrag der Einzelnen gerecht zu werten und zu würdigen. Die bisher veröffentlichten Arbeiten sprechen in ihrer Substanz und in ihrer Chronologie eine klare Sprache. Alles in allem sind das gute Voraussetzungen, Gelassenheit in der Auseinandersetzung zu suchen bzw. zu wahren.

    In der Tatsache, daß Uwe Topper - symptomatischerweise ohne jegliche Absicherung oder Rücksprache bei seinen Kollegen - das Manuskript seines Buches „Die 'Große Aktion'" dem Grabert Verlag (Tübingen) überlassen hat, der mit und zugleich auch von dem Vorwurf lebt, Plattform für Geschichtsrevisionisten" zu sein, sehen wir dagegen eine unmittelbar gegebene Gefährdung sowohl für Heribert Illig als auch für alle anderen Autoren aus dem Umkreis. Damit hat Uwe Topper jedem mutwilligen Journalisten - und deren hat es bereits gegeben - reichlich Anlaß und Argumentationsstoff geboten, Chronologiekritiker wie Heinsohn, Illig, Niemitz, Blöss in das gesellschaftliche Aus zu manövrieren mit dem Vorwurf, sich in der Nähe sogenannter „Auschwitzleugner" angesiedelt zu haben. Diese Veröffentlichungsumstände müssen als generelle Bedrohung für alle Chronologiekritiker interpretiert werden. Im übrigen war die Widmung besagten Buches mit Christian Blöss nicht abgesprochen und Hans-Ulrich Niemitz zwar angekündigt worden, ohne daß dieser wissen konnte, in welchem Verlag das Buch erscheint, noch welche Form die Widmung hat. Damit hat Uwe Topper unsere Namen mißbraucht.

5. Das Problem der Anerkennung geistiger Urheberschaft

    In der Einführung zum Urheber- und Verlagsrecht [Beck-Texte im dtv, 1998, Seite XVIII] heißt es, daß wissenschaftliche Ideen und Erkenntnisse allein keinem Schutz unterliegen: „Grundsätzlich unterliegt nur die persönliche Formgebung wissenschaftlicher Werke dem Urheberrechtsschutz, während der Gedankeninhalt frei bleibt." Diese Einschränkung läßt sich auch aus dem Anspruch der Allgemeinheit auf grundsätzlich unbeschränkte Partizipation an wissenschaftlichen Erkenntnissen ableiten, indem eine moralische Verpflichtung seitens der Wissenschaftler gesehen wird, ihre Erkenntnisse - die „Wahrheit" - auch der Öffenlichkeit zugänglich zu machen (zumal wenn diese die fraglichen Erkenntnisse finanziert hat). Hier steht also dem einzelnen Wissenschaftler eine wache Öffentlichkeit gegenüber, die auf das Recht pocht, dessen Erkenntnisse ebenfalls erfahren und nutzen zu können. Die Öffentlichkeit stellt damit eine "Priorität" des einzelnen Wissenschaftlers an seinen Erkenntnissen in dem Sinne in Frage, daß sie deren exclusive Nutzung aus dem Recht des Urhebers heraus nicht akzeptiert. Die Kehrseite dieser Medaille bestand und besteht aber immer darin, dem Wissenschaftler für seine Leistung, deren Nutzung er nunmehr mit anderen teilen muß, Anerkennung zukommen zu lassen. Jedermann kann sich also das geistige Gut eines anderen aneignen und mit ihm eigene Ideen entwickeln, verfolgen und veröffentlichen, solange er seine Quellen benennt.

    Wir haben unter Punkt 2) festgestellt, daß von allen vorkommenden unkollegialen Verhaltensweisen die des Verwischens oder fälschlichen Aneignens geistiger Urheberschaft in normalen Veröffentlichungen diejenige mit den kürzesten Beinen ist, denn die Fakten liegen in der Regel auf dem Tisch und der Täter muß mit der postwendenden Abmahnung durch die wissenschaftliche Öffentlichkeit rechnen. Das ist im Fall "Topper" anders, denn hier war der Geschädigte gezwungen, eine Lanze für sich selber zu brechen, wo er eigentlich des aktiven und prompten Schutzes durch die Allgemeinheit sicher sein sollte.

    Der Fall "Topper" ist also deshalb ein Fall, weil die Thesen und Gedanken, um deren Ursprung es hier geht, in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit bisher keine derartige Anerkennung gefunden haben, daß die an sich übliche öffentliche Kontrolle der geistigen Urheberschaft automatisch gewährleistet wäre. Der Fall ist weiterhin deshalb ein Fall, weil bei einer aktiv negierten und sogar diffamierten These [R. Herzingers Artikel "Das Millenium wird verrückt" in "Die Zeit" vom 26.9.1997, Seite 64] wie der fraglichen Mittelalterthese die stillschweigende Ausschlachtung besagter These in der Regel nicht öffentlich abgemahnt wird. Die Distanzierung Heribert Illigs gegenüber Uwe Topper wäre differenzierter ausgefallen, wenn seine umstehenden Kollegen als die rudimentäre Keimzelle öffentlicher Kontrolle Uwe Topper früher abgemahnt hätten (oder hätten abmahnen können).

6. Konsequenzen

    Es ist nicht unser vorrangiges Interesse, daß Uwe Topper Klarstellungen über die Genese seines Buches "Die 'Große Aktion'" trifft. Wir möchten vielmehr möglichst schnell eine Diskussion über Rechte und Pflichten eines Wissenschaftlers, der mit seinen Erkenntnissen oder denen anderer Wissenschaftler an die Öffentlichkeit tritt, anstoßen. Deshalb sehen wir von der Durchführung der ursprünglich geplanten Vortragsveranstaltung mit Uwe Topper als Referenten für den 1. März ab und laden stattdessen alle Interessenten und Beteiligten zu einer solchen Diskussionsveranstaltung ein - zu der üblichen Zeit (19:00 Uhr) und am üblichen Ort (Galerie Bellevue, Flensburger Straße 11-13).

    Berlin, 3. Februar 1999, Ihr Christian Blöss (Berlin) und Ihr Hans-Ulrich Niemitz (Berlin/Leipzig)

Literatur etc.

  1. Uwe Topper (1998): "Die 'Große Aktion'", Tübingen (Grabert Verlag)
  2. Heribert Illig (1998): "Tropfen, Faß und Überlauf", in "Zeitensprünge" 4-1998
  3. Empfehlungen der DFG-Kommission (http://www.dfg.de/aktuell/empf_selbstkontr.htm) "Selbstkontrolle in der Wissenschaft": Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (Januar 1998)

Für die Ergebnisse der Diskussionsveranstaltung siehe den Text unter Beirat